Audi und die Digitalisierung

Eins vorab: Ich mag Audi und die Fahrzeuge, die sie herstellen. Ich möchte hier lediglich über Dinge nachdenken, die mir in den letzten Wochen passiert sind.

Audi hatte einst einen großen Vorsprung durch Technik. Zum Beispiel mit dem Quattro-Antrieb oder den vollverzinkten Karosserien und man hatte auch bei Aluminiumkarosserien die Nase vorn.

Doch aktuell, so scheint es, hat Audi wohl eine andere Agenda.

Schauen wir z.B. einmal auf das Thema MMI.

Vor wenigen Tagen zeigte sich eine Meldung in meinem 2015er A4, dass die Lizenz für die Verkehrsdaten im Februar ausläuft. – Ok, dass die Meldung irgendwann kommt, davon bin ich ausgegangen. Immerhin ist das Fahrzeug jetzt fast 3 Jahre alt und so weit ich weiß, gibt es diese Lizenz nur für 3 Jahre.

Jetzt habe ich mich schlau machen wollen, was denn diese Lizenz kostet. Also ab in das My Audi Portal und siehe da, das Portal erinnert mich auch. Was liegt also näher, als dem Link folgen, der sich direkt an die Meldung anschließt.

Doch halt mal – wieso muss ich für einen Online-Service meinen Audi-Partner aufsuchen? Ok, ich muss demnächst schon zum Service, das wäre kein großes Problem. – Aber z.B. Dienste wie Netflix kann ich doch auch über den Browser oder gar die App verlängern und buchen. Wieso hier nicht?

Ja, wieso hier nicht? Das wollte und will mir nicht einleuchten. Aber dass ich es vielleicht besser verstehe, habe ich mal Google bemüht.

Was ich da so fand, hat mir ja quasi die Gesichtszüge förmlich entgleisen lassen. Hier mal der Link zur Website von Alexander Kurz, der sich noch mehr Gedanken zu dem Thema gemacht hat.

Das Prozedere ist anscheinend so, dass ich mit meinem Auto zum Audi-Händler meines Vertrauens fahre und dort beim Ersatzteilverantwortlichen vorsprechen muss. Dieser kann dann wohl bei Audi eine entsprechende 1-Jahres-Lizenz für schlappe 60€ für mich bestellen. – Wer jetzt aber denkt, dass die Lizenz z.B. über das My-Audi-Portal meinem Fahrzeug zugewiesen wird, der wird enttäuscht. Denn das, was quasi so richtig 2018 wäre, klappt hier nicht. Denn bei Audi muss noch mal ein Techniker ans Auto und zwar mit einem OBD-Dongle, über den die Lizenz übertragen wird. – Ich konnte nichts finden, ob das auch kostenpflichtig sei, aber das mag vielleicht vom Händler abhängig sein.

Ich will gar nicht wissen, wie lang das ganze Prozedere im Besten fall dauert, aber mal ehrlich: Das ist doch nicht zeitgemäß.

Um so absurder wird es dann auch noch, wenn man sich einmal die Kosten in Relation zu den Alternativen setzt: Es gibt in den App-Stores unzählige Navigations-Apps, die auch Verkehrsinformationen anbieten. Diese gibt es teilweise gratis (z.B. von Google oder Apple) oder kostenpflichtig, z.B. von Navigon oder TomTom. Bei Navigon zahle ich z.B. für 1 Jahr etwa 30€ und für eine unbegrenzte Verfügbarkeit der Informationen etwa 80€. Man muss nicht unbedingt ein Ass in Mathe sein, aber 30€ sind so ziemlich genau die Hälfte von 60€.

Gut, die Esthetiker unter uns werden jetzt sagen, dann muss ich aber mein Smartphone an einer exponierten Stelle, vorzugsweise in den einsehbaren Bereich hängen. Hmm, das mag nicht jedermanns Sache sein.

Aber auch hier gibt es eine kostenlose Alternative: Ohne eingelegte SIM-Karte nutzt das MMI nämlich die Informationen des Verkehrsfunks, um auf Gefahren oder Beeinträchtigungen hinzuweisen und notfalls auch alternative Routen zu nutzen.

Da ich bis September 2017 eine zeitlang keine SIM im Auto hatte, kann ich da auch einen direkten Vergleich ziehen – ich habe keinen gravierenden Unterschied festgestellt. Lediglich die Warnung vor Eisglätte im Hochsommer auf der A9 zwischen Nürnberg/Feucht und Ingolstadt entfällt. Aber damit kann ich leben 😉

Vielleicht sollten die Verantwortlichen von Audi einmal darüber nachdenken, ob es da nicht bessere Ansätze gibt. Ich finde die Ansätze von Alexander Kurz eigentlich sehr gut. Im Prinzip stellt Audi die Daten kostenlos zur Verfügung und im Gegenzug geben wir als Anwender anonymisierte Daten zurück, die Audi wiederum für das Thema Connected Car nutzen kann.

Hier kann ich Audi auch nur als Kunde darum bitten, innovative Premiumfahrzeuge auch mit entsprechend innovativen Services zu garnieren.

Wo wir beim Thema Services sind….

Seit ich meinen A4 habe, nutze ich auch die myAudi-App. Vielmehr muss ich sagen, ich nutzte sie, den seit Version 3, die Anfang Dezember 2017 erschienen ist, kann ich die App nicht mehr verwenden.

Also, die App kann ich schon noch verwenden, aber die für mich wesentlichen Funktionen sind nicht mehr verwendbar.

Das Dilemma fing eigentlich damit an, dass Audi für die App empfiehlt, vor dem Update eine Datensynchronisation mit dem Cloudservice durchzuführen, so der Hinweis im AppStore, „da sonst Ihre Daten unwiderruflich verloren gehen“. – Das ist natürlich für alle blöd, die ihr iOS so konfiguriert haben, dass sich im WLAN die Apps automatisch aktualisieren. Blöd vor allem deswegen, weil einem ja der Hinweis nicht angezeigt wird. Ja, auch ich nutze AutoUpdate 🙁

Aber ich hatte irgendwie ein Quantum Glück, weil ich nach jeder Fahrt oder dem Auffüllen des Tanks einen Synch mache. Das ist irgendwie eine Marotte von mir, so wie das Löschen bereits gelesener SMS oder iMessages.

Über das Update habe ich mich da noch gefreut, weil ich ja den Hinweis dank AutoUpdate nicht kannte. Und das neue Design finde ich auch schon ein wenig moderner als das alte Design.

Als ich die App gestartet habe, passierte erstmal – nun ja, nichts. Weil  die Einträge im Fahrten- und im Kostenbuch waren weg, vermutlich in der Cloud. Also mit einer entsprechenden Wipe-Bewegung das Telefon zum Datensynch animieren. Und siehe da, es passierte etwas: „Daten nicht aktualisiert Es ist ein Fehler bei der Aktualisierung aufgetreten“. Nun, macht ja nichts, kann passieren. Also noch mal, und noch mal und gefühlt noch 500 Mal. Immer wieder – nichts, nur die gleiche Fehlermeldung.

Noch war ich recht entspannt, weil das ja bei Updates passieren kann und vielleicht kommt ja in ein paar Tagen noch ein Update und beseitigt die Fehler. Also auf zum Webportal.

Da die Anmeldung schon mal klappte, war ich schon mal positiv gestimmt. Zumindest bis zu dem Moment, als mich das Webportal mit Fragen und Auswahlfeldern überhäufte. Echt jetzt, Audi? Warum konntet ihr da nicht mal Erklärungen zu machen. Das würde das Leben doch viel leichter machen. Und vielleicht habe ich da jetzt irgendwas verstellt oder sogar bestellt. Ach nein, das geht ja nicht, das habe ich ja die Tage gelernt, das geht nur beim Audi-Händler…

Nachdem ich mich dann hier durchgekämpft hatte, ging die Suche los. Irgendwer war ziemlich fleissig und hat sich seine eigenen Gedanken zur Optimierung der Website gemacht. So wurden zum Beispiel die Menüs neu strukturiert und Menüpunkte nach einer eigenen – nicht unbedingt für jeden transparenten Logik, angeordnet. So sind jetzt das Fahrten- und Kostenbuch unter Fahrzeugdetails untergebracht. – Warum man so einen Service nicht unter den Connect-Diensten führt, erschließt sich mir nicht. – Aber gut, ich denk da vielleicht auch falsch.

Nachdem ich endlich ans Ziel kam, also zum Fahrtenbuch, erstarrte ich wie zu Stein. Denn auch hier funktioniert weder Fahrenbuch noch Kostenbuch. Beide werden zwar angezeigt und ich sehe auch einige Einträge, aber an sich sieht man nur so wirklich den Lazy Load-Kreisel und den kann man stunden- oder auch tagelang laufen lassen, ohne dass etwas passiert.

In der Spalte „Kategorie“ steht auch bei den paar sichtbaren Einträgen nur„com.audi.myaudi.angular.logbook.filter.category.driverslogitem“. Mehr Informationen gibt mir mein Fahrtenbuch nicht mehr her.

Ich mag auch keine neuen Einträge machen, weil vielleicht sind die ja dann weg, wenn es irgendwann mal wieder funktioniert. – Das wiederum will ich ja auch nicht. Eigentlich will ich nur noch meine Daten als PDF.

Natürlich hatte ich umgehend mit dem Audi-Support Kontakt aufgenommen. Ergiebig war der Austausch allerdings nicht. Denn der freundliche Mann vom Audi-Support meinte, dass es halt aktuell nicht geht. Zumindest jetzt nicht und wann es gehen könnte, konnte er mir auch nicht sagen.

Irgendwie war ich an der Stelle froh, dass ich nicht die Funktion genutzt habe, die mich zu meinem geparkten Fahrzeug zurückbringt. Ich täte wahrscheinlich noch heute herumirren, um mein Auto zu finden, denn wenn die Funktion noch enthalten wäre, würde sie vielleicht auch nicht mehr funktionieren.

Das Thema Fahrtenbuch ist jetzt jedenfalls erstmal für mich mit der Audi-App abgehakt. Da ich nicht warten wollte, bis das Fahrtenbuchsystem wieder funktioniert und dann noch die Befürchtung hatte, dass Neueinträge meine “historischen” Daten überschreiben, habe ich mir eine Alternative gesucht und bin jetzt bei Driverslog Pro 2 von Florian Liefers gelandet. – Ich finde, dass die App hervorragend ist und eigentlich nur noch ein Zugriff via Mac und iCloud-Synch zwischen mehreren Devices fehlt.

Von | 2018-01-21T08:18:08+00:00 Januar 19th, 2018|Digitalisierung|0 Kommentare

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